Wachstumshormon


Wachstumshormon Human Growth Hormone


Das menschliche Wachstumshormon, auf Englisch abgekürzt GH, ist ein Hormon, das in der Hirnanhangsdrüse gebildet und ausgeschüttet wird. Es ist nicht nur für die menschliche Körpergröße verantwortlich, sondern auch an vielen anabolen Stoffwechselvorgängen beteiligt. Aus diesem Grund ist der Name „somatotropes Hormon“ oder Somatotropin (STH) aus dem Griechischen „nährend“ treffender. STH baut Knochen, Muskeln und Organe auf und fördert die Lipolyse (Fettabbau). Die Menge an Wachstumshormon nimmt im Laufe des Lebens stark ab. Ab dem 30. Lebensjahr haben die meisten Menschen nur noch etwa 50 % der Somatotropin-Konzentration. Der Mensch kommt in die sogenannte „Somatopause“. 

Die Hirnanhangsdrüse, in welcher GH ausgeschüttet wird, ist eine erbsengroße Ausstülpung an der Unterseite des Gehirns. Neben dem Wachstumshormon, produziert und schüttet die Hirnanhangsdrüse viele weitere Hormone wie beispielsweise Corticotropin, Thyreotropin oder Prolaktin aus. Indem die Hirnanhangsdrüse die Aktivität verschiedener Körpergewebe und -organe reguliert und koordiniert, spielt sie eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung des physiologischen Gleichgewichts und der Homöostase. Insgesamt dient die Hypophyse als wichtige Schnittstelle zwischen dem zentralen Nervensystem und der Peripherie, die es dem Gehirn ermöglicht, mit dem Rest des Körpers zu kommunizieren.

Die meisten Menschen wissen, dass GH Kindern und Jugendlichen hilft, größer zu werden. GH hat auch andere wichtige Stoffwechselfunktionen im Erwachsenenalter. Studien zur Therapie mit rekombinantem Wachstumshormon (rhGH) bei Menschen mit niedrigem Wachstumshormonspiegel im Blut haben gezeigt, dass GH deutliche Auswirkungen auf den erwachsenen Körper hat. Eine Studie konnte nachweisen, dass wenn GH dieser Patientengruppe verabreicht wurde, die Fettverbrennung und die fettfreie Körpermasse anstiegen. Die absolute Fettmasse nahm ab und die maximale Leistungsfähigkeit nahm zu. Auch wenn diese Ergebnisse nur schwer auf gesunde, gut trainierte Menschen übertragen werden können und kontrollierte Studien über gesunde Menschen schwer zu finden sind, scheint der Missbrauch von GH unter Sportlern, die ihre körperliche Leistung verbessern wollen, trotzdem weit verbreitet zu sein. (1)

Es gibt einige Wege, um zu versuchen, den GH-Spiegel im Blut durch Lebensstil-Anpassungen und Nahrungsergänzungsmittel zu beeinflussen. Laut einigen Studien hilft Gewichtsabnahme beziehungsweise die Reduzierung des viszeralen Fettgewebes dabei, die Ausschüttung von GH zu erhöhen. Dementsprechend ist es ratsam für Menschen, die Ihren GH-Spiegel erhöhen wollen, Sport zu treiben und einer ausgeglichenen, gesunden Ernährung nachzugehen. Intensives körperliches Training ist der beste Weg, um Ihren GH-Spiegel um ein Vielfaches zu erhöhen. Obwohl hochintensive Übungen am besten sind, helfen alle Arten von Übungen in irgendeiner Weise.(2,3)

Eine weitere Methode, um abzunehmen und gleichzeitig den GH-Spiegel zu erhöhen ist das Fasten. Bei einer Studie konnten die Forscher eine erhöhte GH-Ausschüttung nach einer 24-stündigen Fast nachweisen. Bei einer weiteren Studie untersuchten die Forscher die Hintergründe der GH-Erhöhung in fastenden Probanden. Die Daten aus dieser Studie deuten laut den Autoren darauf hin, dass die Wirkung des Fastens auf die GH-Sekretion durch eine erhöhte Freisetzung des GH-ausschüttenden-Hormons (GHRH) und durch längere und stärkere Perioden ohne das GH-blockierende Hormon (Somatostatin) verursacht wird.(4,5)

Wenn Sie schlafen, sendet die Hirnanhangsdrüse Impulse von GH aus. Diese Impulse sind vom zirkadianen Rhythmus Ihres Körpers abhängig, der wie eine Uhr in Ihrem Körper funktioniert. Studien haben ergeben, dass Ihr Körper bei zu wenig Schlaf eine geringere Menge an GH produziert. Aus diesem Grund ist ausreichend tiefer Schlaf eine Möglichkeit, die GH-Produktion langfristig zu steigern. (6)

Einige grundlegende Dinge, die Sie tun können, um Ihren Schlaf zu verbessern sind:
Vermeiden Sie blaues Licht, bevor Sie ins Bett gehen, lesen Sie vor dem Schlafengehen ein Buch, achten Sie auf die richtige Temperatur in Ihrem Schlafzimmer, verzichten Sie am Nachmittag oder Abend auf Koffein. (7)

Neben diesen Lebensstil-Anpassung gibt es auch einige Naturstoffe, die zu einer Erhöhung des GH-Spiegels führen können. Zu diesen Naturstoffen gehören die Aminosäuren Arginin und Glutamin. Laut einigen Studien, kann man durch die regelmäßige Einnahme der Aminosäure Arginin den GH-Spiegel im Blut erhöhen.(8) In einer weiteren Studie konnte nachgewiesen werden, dass L-Arginin einen Teil des körpereigenen Systems, das GH produziert und freisetzt, aktiviert.(9) Laut den Ergebnissen einer Studie mit 30 körperlich fitten Männern, die nach nächtlichem Fasten 10g- Arginin einnahmen, konnte eine mäßige Erhöhung des GH-Spiegels nachgewiesen werden.(10)  Laut den Ergebnissen einer weiteren Studie aus dem Jahr 1995, kann eine Dosierung von 2-g Glutamin zu einer temporären Erhöhung des GH’s führen.(11) . Bevor man auf diese Naturstoffe zurückgreift, sollte man Rücksprache mit seinem Arzt halten, vor Allem wenn man chronische Krankheiten hat oder dauerhaft verschreibungspflichtige Medikamente einnimmt.

Um die Schlafqualität zu verbessern und damit auch die GH-Ausschüttung zu optimieren kann man auf das Nahrungsergänzungsmittel Melatonin zurückgreifen. Melatonin ist ein natürliches Hormon, das Abends und während des Schlafens von der Zirbeldrüse im Gehirn ausgeschüttet wird.  Laut einiger Studien verbessert durch den Mund eingenommenes Melatonin die Schlafqualität und Schlafdauer.(12,13)

Woran erkennt man einen STH-Mangel? Die Diagnose eines Wachstumshormonmangels (STH-Mangel) gestaltet sich als Herausforderung, da die Ausschüttung von STH zyklisch erfolgt und während des Tages erhebliche Schwankungen aufweist, wobei die höchsten Konzentrationen in der Nacht auftreten. Es gibt bestimmte Symptome, die auf einen möglichen STH-Mangel hinweisen können. Zu diesen Symptomen gehören eine verminderte Leistungsfähigkeit, erhöhte Blutfette, ein hoher Cholesterinspiegel (LDL-Cholesterin), abnehmende Muskulatur und eine schlechte Insulinwirkung. Die Freisetzung von STH kann von verschiedenen körpereigenen Prozessen und Substanzen beeinflusst werden. Zum Beispiel kann eine übermäßige Produktion von Kortison, wie sie in Stresssituationen auftreten kann, die Ausschüttung von STH hemmen. Andererseits kann positiver Stress sich positiv auf den Wachstumshormonspiegel auswirken. Alkoholkonsum hat ebenfalls nachteilige Auswirkungen auf einen optimalen STH-Wert. Während der Wechseljahre nehmen nicht nur die üblicherweise betroffenen Sexualhormone wie Östrogen ab, sondern auch die Ausschüttung von STH kann beeinträchtigt sein. Die Diagnose eines GH-Mangels erfordert daher eine sorgfältige Analyse der Symptome sowie möglicher Einflussfaktoren wie Stress, Alkoholkonsum und den hormonellen Veränderungen während der Wechseljahre. Bei Verdacht auf einen STH-Mangel sollte eine ärztliche Untersuchung und gegebenenfalls weitere diagnostische Maßnahmen erfolgen, um eine genaue Diagnose stellen zu können.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass GH eine wichtige Rolle bei der Regulation des Wachstums und des Stoffwechsels im Körper spielt. Studien zeigen, dass eine nicht-individualisierte Einnahme von GH (STH) nicht empfohlen wird, da negative Auswirkungen auftreten können, wie z. B. ein erhöhtes Krebsrisiko. Auch die „künstliche“ Einnahme des Hormons STH führt zu einer sogenannten „negativen Rückkopplung“. Wird STH (Somatotropin) eingenommen, wird die körpereigene Synthese durch Rückkopplungsprozesse reduziert. Sinnvoller, sicherer und natürlicher ist es daher, die körpereigene Synthese und Ausscheidung anzuregen. Es gibt schon einige Studien, die eine Erhöhung des GH aufgrund von Lebensstilveränderungen oder Nahrungsergänzungsmittel nahelegen. Jedoch sind weitere Forschungen und Untersuchungen notwendig, um die langfristigen Auswirkungen auf die Gesundheit und mögliche Anwendungen in der Medizin besser zu verstehen.




Bibliography:


  1. Bidlingmaier M, Strasburger CJ. Growth hormone. Handb Exp Pharmacol. 2010;(195):187–200. 
  2. Stanley TL, Grinspoon SK. Effects of growth hormone-releasing hormone on visceral fat, metabolic, and cardiovascular indices in human studies. Growth Horm IGF Res Off J Growth Horm Res Soc Int IGF Res Soc. April 2015;25(2):59–65. 
  3. Miller KK, Biller BMK, Lipman JG, Bradwin G, Rifai N, Klibanski A. Truncal adiposity, relative growth hormone deficiency, and cardiovascular risk. J Clin Endocrinol Metab. Februar 2005;90(2):768–74. 
  4. Hartman ML, Veldhuis JD, Johnson ML, Lee MM, Alberti KG, Samojlik E, u. a. Augmented growth hormone (GH) secretory burst frequency and amplitude mediate enhanced GH secretion during a two-day fast in normal men. J Clin Endocrinol Metab. April 1992;74(4):757–65. 
  5. Hollstein T, Basolo A, Unlu Y, Ando T, Walter M, Krakoff J, u. a. Effects of Short-term Fasting on Ghrelin/GH/IGF-1 Axis in Healthy Humans: The Role of Ghrelin in the Thrifty Phenotype. J Clin Endocrinol Metab. 18. August 2022;107(9):e3769–80. 
  6. Van Cauter E, Plat L. Physiology of growth hormone secretion during sleep. J Pediatr. Mai 1996;128(5 Pt 2):S32-37. 
  7. CDC. Good Sleep Habits [Internet]. Centers for Disease Control and Prevention. 2022 [zitiert 28. März 2023]. Verfügbar unter: https://www.cdc.gov/sleep/about_sleep/sleep_hygiene.html
  8. Collier SR, Collins E, Kanaley JA. Oral arginine attenuates the growth hormone response to resistance exercise. J Appl Physiol Bethesda Md 1985. September 2006;101(3):848–52. 
  9. Oh HS, Oh SK, Lee JS, Wu C, Lee SJ. Effects of l-arginine on growth hormone and insulin-like growth factor 1. Food Sci Biotechnol. 2017;26(6):1749–54. 
  10. Apolzan JW, Stein JA, Rood JC, Beyl RA, Yang S, Greenway FL, u. a. Effects of acute arginine supplementation on neuroendocrine, metabolic, cardiovascular, and mood outcomes in younger men: A double-blind, placebo-controlled trial. Nutr Burbank Los Angel Cty Calif. September 2022;101:111658. 
  11. Welbourne TC. Increased plasma bicarbonate and growth hormone after an oral glutamine load. Am J Clin Nutr. Mai 1995;61(5):1058–61. 
  12. Xie Z, Chen F, Li WA, Geng X, Li C, Meng X, u. a. A review of sleep disorders and melatonin. Neurol Res. Juni 2017;39(6):559–65. 
  13. Fatemeh G, Sajjad M, Niloufar R, Neda S, Leila S, Khadijeh M. Effect of melatonin supplementation on sleep quality: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. J Neurol. Januar 2022;269(1):205–16. 

 







Dieser Beitrag unter abgelegt am 22 April 2019 von  Alexander Michalzik


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